Presseschau - Die Chronik zum 100. Schulgeburtstag: Die Geschichte der ersten Waldorfschule

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Pünktlich zum 100. Schulgeburtstag liegt sie vor: die Geschichte der ersten Freien Waldorfschule in Stuttgart 1919 – 1925. Der Historiker Prof. Dr. Tomáš Zdražil, Dozent der Freien Hochschule Stuttgart, Seminar für Waldorfpädagogik, lässt die ersten sechs Schuljahre und ihren historischen Kontext auf rund 500 Seiten lebendig werden. 

Drei Jahre intensive Arbeit stecken in diesem Buch. Allein 25 Seiten umfassen die Literaturangaben. Mehr als 250 historische Fotos illustrieren dieses umfassende Werk. „Mit dem Projekt der Pädagogischen Forschungsstelle im Bund der Waldorfschulen, die Lehrerkonferenzen der ersten Jahre von Rudolf Steiner neu herausgeben zu wollen, wurde deutlich, dass man sie sich auch in ihrem geschichtlichen Kontext erschließen können muss“, betont Prof. Zdražil. „Die historischen Bilder der ersten Waldorfschule darf man nicht nur als vergangene Geschichte auffassen, sondern man kann sie vor allem als „Kleid“ für die grundlegenden Gedanken und Ansätze der Waldorfpädagogik verstehen“, schreibt er in seinem Vorwort.
Die gründliche, fundierte Recherche förderte durchaus auch neues und Erstaunliches zu Tage. So konnte jetzt aufgezeigt werden, dass die aufkommenden Nationalsozialisten mit Eckhard Dietrich als Hitlers Ideengeber diese neue, freie Schule von Anfang an unter negativer Beobachtung hatten. Mit der Machtergreifung mussten die Waldorfschulen, die sich rasch in Deutschland verbreiteten, schließlich nach und nach schließen.
Wie konnten sich Steiners grundlegende Ideen einer Pädagogik, die den Menschen zur Freiheit erziehen möchte, unter den konkreten Alltagsbedingungen der Schule entwickeln? Nach den Erfahrungen des Ersten Weltkrieges war es Steiners Anliegen, eine menschengemäße und menschenwürdige soziale Ordnung zu entwerfen. Das Bildungswesen in Stuttgart wird in diesem Buch genauso dargestellt wie die Persönlichkeiten, die das Schulleben prägten. Die Schule wuchs rasant, die Finanzen und die Räumlichkeiten wurden rasch knapp.
„Freie Waldorfschule in Stuttgart 1919 – 1925. Rudolf Steiner – das Kollegium – die Pädagogik“, erschienen in der edition waldorf, ist mehr als ein spannendes Stück Zeitgeschichte. Diese Dokumentation zum 100. Geburtstag der Waldorfpädagogik möchte auch in die Zukunft weisen. „Vielleicht lassen sich durch den Blick auf die Anfänge falsche Legendenbildungen, unbegründete Folklore und Gewohnheiten, Verkrustungen und Verformungen in der weiteren Entwicklung aufdecken“, schreibt Prof. Dr. Tomáš Zdražil im Vorwort. 

Quelle: idw-online.de am 8. Mai 2019

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