Presse

Alle freuen sich auf den Spatenstich

Seit 20 Jahren gibt es in Crailsheim einen Waldorfkindergarten. Morgen wird dieser Jahrestag gefeiert mit einem Festakt und dem Auftakt zum notwendig gewordenen Neubau.
Bericht und Bild: Julia Vogelmann | erschienen im Hohenloher Tagblatt online am 24.06.2017


Sie freuen sich auf die morgige Jubiläumsfeier und bald auch auf ein neues Kindergartengebäude: Hannelore Nawroth (rechts) und Nina Häußlein mit ihren Schützlingen. Foto: Julia Vogelmann

Ein richtiger Kindergarten, wie ihn die Crailsheimer heute kennen, ist der Waldorfkindergarten seit 1997. Die Eltern zogen damals aus einer Spielgruppe aus, die in Maulach ihr Zuhause und bis dahin einen Kompromiss zur Waldorfschule dargestellt hatte. Die Gruppe siedelte im Januar 1997 in ein Gebäude der Stadt am Fliegerhorst um, nachdem Erzieher und Eltern die Räume renoviert hatten. Nach einem Anerkennungsverfahren, das ein Mentor aus Hall unterstützt hatte, durfte sich der damals noch eingruppige Kindergarten im März Waldorfkindergarten nennen. Von Anfang an dabei war Hannelore Nawroth, die heute die Blumengruppe des mittlerweile zweigruppigen Kindergartens leitet.
An den Moment, in dem sie die damals neuen Räume betrat, erinnert sie sich noch genau. „Ich ging durch die Räume, und als ich den großen Garten sah, sagte ich mir, ja, hier machen wir Kindergarten“, blickt sie lachend zurück. Was damals mit 16 Kindern begann, wurde bald so gut von den Crailsheimern angenommen, dass 2005 eine weitere Gruppe eröffnet wurde. Heute gibt es eine Ganztagesgruppe und eine Gruppe mit verlängerten Öffnungszeiten. Insgesamt sind zwei Vollzeit­erzieherinnen und fünf Teilzeitkräfte angestellt.
Neben Inklusionskindern bietet der Kindergarten auch Flüchtlingskindern einen Platz. „Es war ein langer Weg, doch die Zusammenarbeit mit der Stadt war immer gut, und es bestand immer ein offenes Verhältnis. „Ich denke, der Waldorfkindergarten hat seinen Platz in der pädagogischen Landschaft Crailsheims mittlerweile behauptet“, so Nawroth.
Doch die räumlichen Gegebenheiten passen heute nicht mehr optimal zum Tagesablauf. Er kollidiert nämlich oft mit der wachsenden Schule, mit der sich der Kindergarten das Gebäude teilt. Durch die Trennung der Gruppen im Gebäude und die provisorischen Schlafgelegenheiten für die Kinder besteht schon lange der Wunsch, nach einer Kinderkrippe auch dem Kindergarten eine neue, moderne und den Be­dürfnissen angepasste Heimat zu geben.
Heuer ist es so weit: Morgen, wenn der Kindergarten ab 10.30 Uhr sein Jubiläum feiert, erfolgt auch der erste Spatenstich zum Neubau in direkter Nachbarschaft zur Krippe „Wurzelstube“ in der Friedrich-Bergius-Straße.
Geplant hat das neue Gebäude wie auch schon die Krippe Architekt Hans-Christoph Lamparter. „Die Gruppen sind dichter bei­einander, alles ist ebenerdig, und wir können direkt in den Garten raus“, freuen sich die Erzieherinnen und sind vor allem begeistert, dass das neue Gebäude auch ein Büro und einen Mitarbeiterraum sowie richtige Schlafräume für die Kinder vorsieht. Baubeginn soll im Herbst sein. Hannelore Naw­roth und Kollegin Nina Häußlein hoffen, dass sie nächstes Jahr im Herbst umziehen können.
Info: Der Festakt zum 20-jährigen Bestehen beginnt um 10.30 Uhr in der Burg­bergstraße 49. Nach einem Blick in die Vergangenheit und dem Spatenstich lädt das Festkomitee zu gemeinsamem Brunch, Spiel und Tanz ein.

Anmerkung der Waldorf-Redaktion: aus der Online und in Print erschienenen "Helga Nawroth" wurde hier wieder Hannelore Nawroth.

Schöne neue digitale Welt auf der Bühne

Mehr als 30 Millionen Deutsche spielen regelmäßig Videospiele. Das Künstlerquintett „Vonnunan“ weist ohne erhobenen Zeigefinger auf die Gefahren hin.

Bericht und Bild: Nils Gundel | Erschienen im Hohenloher Tagblatt Online am 26.05.2017


Das letzte Gefecht: „Vonnunan“ aus Wien setzen sich mit Freud und Gefahr digitaler Medien auseinander.
Foto: (C) Nils Gundel

Was geht einher mit den Verlockungen der digitalen Welt? Wie ist es eigentlich in etwas Irreales einzutauchen, sich womöglich darin zu verlieren? Welch’ Freud, welch’ Gefahr findet sich in der Welt der Nullen und Einsen? All das war kürzlich Thema in der Waldorfschule Crailsheim, beeindruckend dargestellt durch die fünf Künstlerinnen von „Vonnunan“ aus Wien. In dem Stück namens „Shifting Reality“ wird der Zuschauer in ein fernes Land namens Zero geführt – wie es typisch für Spielwelten ist, die in den Computer-Rollenspielen (role play games, kurz RPGs) zu sehen sind.

Einst geeint und wunderschön versank die Welt in einer Düsternis, aus der es nur einen Weg gibt – der Spieler, Held von Zero, muss die Kugel der Macht wieder zusammenfügen, und dadurch auch Zero erneut vereinen. Ihm, und nur ihm, fällt es zu, die Welt zu neuer Blüte zu führen. Für all jene, die selber ganz gerne an PC, Handy oder Konsole spielen, dürfte solch ein Szenario nicht ganz unbekannt sein.

Was am Ende übrig bleibt. . .

„Vonnunan“ gestalteten das Stück in Teilen interaktiv, die Schüler die Handlung teilweise mit. Bereits zu Beginn hatten sie die Möglichkeit, zwei Charaktere zu erschaffen, die sich an Rasse, Geschlecht und Eigenschaft orientieren. Zwei Spielerinnen führten die Charaktere durch die Spielwelt, zu Beginn auch gemeinsam. Doch die eine hielt immer die Verbindung zur Realität, die andere vermochte dies nicht.

„Während sie im Leben nichts mehr auf die Reihe bekam, wurde sie im Spiel immer besser“, sagt Rosalie Bärbel Stark, und weiter: „Es machte aus Freunden Feinde, im Streit um die Splitter der Macht.“ Sie verließ das Spiel mit der Niederlage ihres Charakters, während die andere, Friederike Heine, immer weiter auf dem virtuellen Pfad des Ruhmes ging. Im Dschungel, dessen Geräuschkulisse von den Kindern mitgestaltet wurde, gewann sie die letzte Schlacht und vereinte so die Splitter der Macht.

Aber was Heine im Spiel gewann, verlor sie im Leben. Und so schwebte sie in einem Glastank, begleitet vom Geräusch lebenserhaltender Maschinen, während ihre Freundin neben einem leeren Stuhl saß. Die Fragen, die ihr blieben, waren: Was hätten wir anders machen können? Bleibt der Stuhl wohl für immer leer? Und: Wann nahm der Spielspaß so katastrophale Züge an?

Offen aber ernst zum Thema

„Als die Idee aufkam, haben wir uns intensiv mit Spielen und Filmen beschäftigt. Da wurden Streams geschaut und League of Legends oder World of Warcraft gespielt“, sagt Kirsten Wiebers. „Wir sind daraus nicht losgelöst. Auch wir haben uns als Kinder unsere eigenen fiktiven Welten geschaffen. Wer hat sich nicht vorgestellt, wie es wäre in einer magischen Welt wie der Harry Potters zu leben?“, erklärt sie weiter, und: „Es ist immer auch ein kleine Flucht, wenn die Realität langweilig ist oder man dort keinen Erfolg erlebt. Gerade Spiele belohnen einen schnell für die eigenen Anstrengungen. Ein bisschen Beute hier, ein paar Erfahrungspunkte da.“ Wie Wiebers selber zu den Computerspielen steht? „Wir haben auch jetzt, wo wir das Stück spielen, immer noch unseren Spaß daran, ab und an mal ein bisschen zu zocken.“

Gleichwohl gibt es Gefahren, die man nicht unterschätzen sollte. Wiebers kennt Personen, die süchtig geworden sind, denen die Kontrolle über das reale Leben entglitt und die immer tiefer in den digitalen Welten versanken. „Wir haben das Bild mit der Komapatientin bewusst gewählt, denn es gibt immer wieder Berichte, dass Leute vor lauter Spielen das Essen und Trinken einstellen. Manche fallen ins Koma, andere sterben sogar an Erschöpfung“, erklärt sie, und: „Das sind natürlich Extreme, eine Sucht kann sich auch anders manifestieren.“

Wie Wiebers eine solche Sucht definieren würde? „Wenn jemand regelmäßig mehr als die Hälfte seiner Zeit in irrealen Welten verbringt, dann sollte man sich Gedanken machen. Freunde und Familien sollten da auch achtsam sein.“

 

„Google träumt schon vom Sieg über den Tod“

„Mensch und Maschine“ lautete der Titel des Vortrags von Roman Huber an der Crailsheimer Waldorfschule zu Möglichkeiten und Gefahren der digitalen Revolution.

Bericht und Bild: Hartmut Volk | Erschienen im Hohenloher Tagblatt Online am 25.03.2017

Anschaulich und unterhaltsam trug Roman Huber Fakten und Trends zur digitalen Revolution vor.

In kulturell-kreativen Kreisen ist der 48-Jährige kein Unbekannter mehr, und in der Bürgerrechtsbewegung hat er sich einen bundesweiten Namen gemacht – als Vorstand von „Mehr Demokratie“, als Autor des Buchs „Vollgeld“, als Mitbegründer und Vorstandsmitglied der Dorfgemeinschaft Schloss Tempelhof sowie als viel gefragter Vortragsredner. Als Quer- und Vordenker ist Roman Huber nah am Puls der Zeit. Sein beruflicher Background als IT-Entwickler und langjähriger Moderator der Intel-Channel-­Konferenzen, in denen die neuesten Trends und Chips für die Halbleitertechnik vorgestellt werden, erlauben ihm verlässliche Prognosen, wie die digitale Revolution unser Leben noch viel gravierender verändern wird.

Zur Veranschaulichung der Rasanz, mit der die technische Entwicklung voranschreitet, verwies der Referent auf das sogenannte „Mooresche Gesetz“, nach dem sich alle zwei Jahre die Prozessorleistung verdoppelt. Wer sich mit Exponentialfunktionen auskenne, könne erkennen, dass wir erst am Anfang der Entwicklungsdynamik stehen, mit der die digitale Revolution das Wirtschaftsleben komplett umkrempeln werde, so Huber zur Untermauerung seiner These: „Wir denken, wir seien schon mittendrin, dabei sind wir noch gar nicht richtig im Informationszeitalter angekommen!“

New York ist nicht mehr cool

Die geistige Brutstätte für die Digitalisierung der Welt ist das Silicon Valley in Kalifornien. „Für junge Leute ist es heute nicht mehr cool, nach New York an die Wallstreet zu gehen“, beobachtet der IT-Experte. Wer richtig Karriere machen will, gehe heute an die Exzellenz-Universität nach Stanford, die schon viele Nobelpreisträger und namhafte Unternehmer der IT- und High-Tech-Industrie hervorgebracht hat. Diese „Mischung aus Geist und Geld“ im Silicon Valley sieht Huber als den „Takt und Pulsgeber“ einer Entwicklung, die von „disruptiven Innovationen“ geprägt sei – das heißt von Neuerungen, die eine bestehende Technologie, ein bestehendes Produkt oder eine bestehende Dienstleistung vollständig verdrängen und ganze Branchen zerstören.

Huber erläuterte es am Beispiel der Musikindustrie: Bisher war Musik immer an physische Tonträger gebunden. Deren Form hat sich zwar verändert, aber vom Tonband über Schallplatte, Kassette bis hin zu CD und DVD waren alles handelbare Produkte. Durch die Möglichkeit des Streamens und Downloadens aus dem Internet sei der Musikmarkt massiv eingebrochen. „In den nächsten drei Jahren werden 30 Prozent aller Geschäfte schließen“, prognostizierte der Referent. Gleichzeitig wird es Zentralisierungsprozesse in allen Branchen geben, so wie es schon bei Global Playern wie Amazon, Facebook, Google und Co. zu erleben war.

Noch gravierender werden die Folgen der sich rapide entfaltenden Roboter- und Nanotechnologie sein. Vertreter des Transhumanismus arbeiten fieberhaft an der Schnittstelle von Technik und Biologie und entwickeln Implantate und Chips, die eng an Organfunktionen gekoppelt sind.

Ray Kurzweil, der Chefentwickler von Google, träumt davon, in 15 Jahren alle Krankheiten komplett besiegt zu haben, in 30 Jahren das Problem Altern und in 70 bis 80 Jahren das Thema Tod gelöst zu haben. Tech-Optimismus werde zur Erlöserfantasie.

Für einen Schutz des „Ich“

Roman Huber teilt den Fortschrittsoptimismus der Transhumanisten nicht. Als Anthroposoph plädierte er für einen Schutz des menschlichen „Ich“, das die meisten Transhumanisten leugneten. Die Digitalisierung aller Lebensprozesse sei nicht aufzuhalten, schätzt er die Entwicklung realistisch ein. Es liege an uns, sie im menschengemäßen Sinne zu gestalten.

Mit Charme und Spielfreude auf der Bühne agiert

Theater: Achtklässler der Waldorfschule Crailsheim führen dreimal „Pünktchen und Anton“ von Kästner auf.

Bericht und Bilder: Guido Seyerle | Erschienen im Hohenloher Tagblatt Online am 06.02.2017

 

Die Waldorfschüler gaben drei Vorstellungen des Stückes von Erich Kästner. Foto: Guido Seyerle

 

Die Waldorfschüler gaben drei Vorstellungen des Stückes von Erich Kästner.  14 Akteure, mehr als 30 Helfer vor und hinter der Bühne, dazu Sänger und Instrumentalisten – die Waldorfschule Crailsheim legt sich ordentlich ins Zeug, um mit „Pünktchen und Anton“ zum vierten Mal ein Theaterstück der Achtklässler zu präsentieren.

Bei der ersten von drei Vorstellungen am Freitag in der Roßfelder Turn- und Festhalle schauen sich rund 100 Besucher die zweistündige Vorstellung an, die Schüler hätten ein größeres Publikum verdient gehabt. Zumal sie dazu noch das Pech hatten, dass die zweite Vorstellung in Gerabronn abgesagt werden musste, da der Festsaal der Dorfgemeinschaft Brettachhöhe nicht bespielt werden konnte. Kurzerhand wurde das Stück am Samstag noch einmal in Roßfeld aufgeführt, bevor es am Sonntag nach Dinkelsbühl ging.

Das Team um die beiden Organisatoren Friedemann Mayer und Sibylle Schwalb hat für eine geschickte Wahl der Schauplätze gesorgt. Die Handlung beschränkt sich nicht auf die Bühne, sondern Pünktchen (Emilia Waßer) und Anton (Michael Gansky) spielen auch direkt oder seitlich von den Zuschauern. Das macht es für die jungen Akteure nicht leichter, schließlich agieren sie direkt vor und zwischen Freunden und Bekannten.

Doch die kleinen Hänger werden mit viel Charme und Spielfreude überdeckt. Besonders eindrücklich sind die Momente, wenn die Schüler auf der Bühne gemeinsam singen oder die jugendlichen Schauspieler zum Klang der Streicher tanzen. Gleichzeitig kommt der sozialkritische Ansatz im Werk von Erich Kästner, das er in den 1930er-Jahren erschuf, immer wieder deutlich zum Vorschein.

Auch zum Lachen gibt es einiges – zum Beispiel, als die Kopfschmerzen von Pünktchens Mutter thematisiert werden: „Migräne sind Kopfschmerzen, die man hat, obwohl man sie nicht hat.“ Das erfreut auch die ehemaligen Waldorfschauspieler wie einige Zehntklässler, die sich das Stück ihrer Nachfolger nicht entgehen lassen.

 

Eine wichtige Botschaft

Aufführung: Das Oberuferer Christgeburtsspiel gab es am Montagabend in einem echten Kuhstall in Honhardt zu sehen. Es hat eine lange Tradition.
Bericht und Fotos: Daniela Knipper | Erschienen im Hohenloher Tagblatt am 24.12.2016

Foto von Daniela Knipper
Foto: Daniela Knipper
Maria und Josef sind in einem Stall Eltern geworden. Die Hirten beo­bachten das Geschehen aus nächster Nähe.  


Gut 60 Erwachsene und viele Kinder sitzen am Montag auf den Bänken im Stall der Honhardter Demeterhöfe bei Familie Klopfer. Sie warten gespannt auf das Ober­uferer Christgeburtsspiel der Freien Waldorfschule in Crailsheim. Die Besucher sind dick eingepackt, es gibt heißen Punsch. Die Kühe und Kälbchen schauen neugierig. So viele nächtliche Besucher hatten sie noch nie.
„Wir hatten ein schwieriges Jahr 2016. Und die Weihnachtsbotschaft ist eine der wichtigsten, die es gibt“, sagt Sebastian Grohs bei einer kurzen Einführung. Er trägt Schaffell, Hut und Stock. Die Wangen sind rosig angemalt. So schlüpft er in die Rolle eines Hirten und erklärt: „Die Geburt der Liebe findet statt.“ Die Oberuferer Weihnachtsspiele datieren bis ins 17. Jahrhundert zurück und wurden früher von Bauern in den Wirtshausstuben aufgeführt. Im Honhardter Stall ist heuer Premiere. „Für mich ist es etwas ganz Besonderes im elterlichen Stall aufzutreten“, sagt Debora Neubauer-Klopfer. Sie spielt die Maria und als ehemalige Waldorfschülerin ist sie mit dem Stück aufgewachsen.  Denn bis heute werden die Spiele in aller Welt von den Waldorfschulen im Dialekt aufgeführt.
Und dann geht es auch schon los. Leises Geigenspiel ertönt von draußen und die zwölfköpfige Schauspieltruppe, bestehend aus Lehrern, Schülern und Eltern der Waldorfschule, kommt langsam in den Stall. Maria und Josef suchen verzweifelt eine Herberge. Mit Ochs und Esel werden sie überall abgewiesen. Nur in einem Stall findet Josef mit der hochschwangeren Maria eine Unterkunft. Das Jesus-Kind wird geboren, und die Hirten machen sich auf den Weg. Einer der Hirten ist zu alt, um die Reise anzutreten. Ihm erzählen die Hirten später die Weihnachtsgeschichte.
Es wird viel gesungen, und die Besucher sind gebannt vom Schauspiel und den besinnlichen Tönen. Die Kühe der Familie Klopfer sind indes eingeschlafen und schnarchen ganz leise vor sich hin.

 

Musikalischer Festakt: Crailsheimer Waldorfschule feiert ihr zehnjähriges Bestehen

Die Freie Waldorfschule in Crailsheim gibt es seit zehn Jahren: Das ist am Freitag unter dem Motto „Suchen und Finden“ gefeiert worden.

Bericht und Fotos von URSULA RICHTER | erschienen im Hohenloher Tagblatt am 28.06.2016

„Toll, dass ihr jetzt zehn Jahre feiern könnt“, sagte Fabian Stoermer, Geschäftsführer der Partnerschule in Schwäbisch Hall, bei der Feier. Das sahen die Eltern, Schüler, Lehrer und Festgäste offenbar genauso. Am Nachmittag fanden sie sich zunächst einmal im Foyer des Schulgebäudes ein.

Dass Musik, wie Lehrerin Brigitte Kuwabara betonte, eine zentrale Rolle an der Schule spielt, war am Programm deutlich erkennbar. Es endete mit Singen und Tanzen um ein Johanni-Feuer. Und vorher gab es etwa Weltmusik aus Morgen- und Abendland sowie am frühen Abend ein Konzert des russischen Schulchores. Zum Festbeginn hatte das Schulorchester mit rund 20 Streichern Vivaldi gespielt, dann den Tango La Cumparsita von Gerardo Rodríguez. Hier und auch beim Walzer aus der Suite Nr. 2 von Schostakowitsch griff Geigenlehrer Wolfgang Hermann Kautter zu seinem Instrument. „Die Schüler lieben die Akustik hier“, erläuterte er.

Das Gebäude Burgbergstraße 51 war trotz der hochsommerlichen Außentemperaturen überraschend kühl. „Es liegt an dem Stein und Beton“, sagte Geschäftsführer Markus Stettner-Ruff. „Allein das Dach hat eine ein Meter dicke Betonverstärkung.“

Die Bauherren haben 1936 freilich weniger an die Außentemperaturen gedacht, sondern an den militärischen Ursprungszweck. „Ich könnte losheulen, wenn ich an die Geschichte des Gebäudes denke und das zart Musikalische von unserem Schulorchester höre“, sagte der Elternvertreter Wilhelm Volz. Für Susanne Hammer vom Vorstand ist die Architektur „einfach problematisch“, wie sie bei ihrer Begrüßung erklärte. Aber: „Unsere Erfahrungen sind bunt wie die Girlanden.“ Höhen und Tiefen wurden bei dem Festakt angesprochen. Der Tenor jedoch war insgesamt positiv.

Geht man nach Fabian Stoermer, trägt das der Waldorfpädagogik zugrunde liegende antroposophische Gedankengut „den Strom des Idealismus der deutschen Geschichte weiter“. Er führte aus, dass die Gründungsidee von 1919 im jetzigen Schulsystem noch lange nicht verwirklicht sei.

Trotzdem waren sich die Gesprächsteilnehmer des von Stettner-Ruff moderierten Podiumsgespräches vor allem beim Blick in die Zukunft einig. Die Zehntklässlerin Alina Häuslein wünschte der Schule viel Glück und Kraft, alle Herausforderungen zu meistern. Elternvertreter Volz möchte, dass man zusammen das Ziel findet: „Der neue Oberstufenprozess ist ein anderer Weg mit anderen Schwierigkeiten.“ Man will eine Oberstufe mit 12er- beziehungsweise 13er-Abschlüssen anbieten.

Auch das Publikum wurde nach Wünschen befragt. „Dass der Schule mit anderen Kindern das gelingt, was mit meiner Enkeltochter gelang“, sagte da jemand. Wolfgang Gsell etwa resümierte für sich als Vater: „Ich bin dankbar, dass es diese Möglichkeit in Crailsheim gibt.“

 

10 Jahre Waldorfschule Crailsheim

Ihr zehnjähriges Bestehen feiert die Freie Waldorfschule Crailsheim mit viel Musik heute ab 16.30 Uhr. Das Motto: Suchen und finden.

Pressemitteilung, erschienen im Hohenloher Tagblatt am 24.06.2016

Die Freie Waldorfschule Crailsheim hat vor zehn Jahren ihren Betrieb aufgenommen. Das wird heute gefeiert.

Foto: Archiv / Julia Vogelmann

Die Freie Waldorfschule Crailsheim hat vor zehn Jahren ihren Betrieb aufgenommen. Das wird heute gefeiert.

Wer hätte das gedacht: Ein ganzes Jahrzehnt ist vorüber, die Freie Waldorfschule feiert ihren zehnten Geburtstag. Jahr für Jahr kam eine Klasse dazu, nachdem die Schule zum Schuljahr 2005/06 gegründet worden war. Vor zwei Jahren begann man mit der Oberstufe. So ist man heute in der 10. Klasse angelangt. In zwei Jahren wird der erste Waldorfklassendurchgang am Ziel sein, um sich dann in der Prüfungsklasse konzentriert auf die jeweils gewünschten staatlichen Abschlüsse vorzubereiten. In den zwölf Jahren Waldorfschulzeit steht die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes im Mittelpunkt.

Dieser erste runde Geburtstag der Schule zeugt vom Gestaltungswillen des Schulvereins und dem ehrenamtlichen Engagement der Eltern. Der gesamte Umbau der alten Gebäude zu Kindergarten und Schule wurde Zug um Zug fast ausschließlich ehrenamtlich von Eltern und Pädagogen geleistet – eine beeindruckende, am Gemeinwohl orientierte Bürgerinitiative, die den Beweis ihrer Ernsthaftigkeit erbracht hat. Jedenfalls ist heute unumstritten, dass der Stadtteil ohne die Freie Waldorfschule mit ihrer Kinderkrippe und ihrem Kindergarten kaum noch denkbar wäre. Die Schule macht Crailsheim, so die Überzeugung der Protagonisten, als Bildungszentrum attraktiver. Über eine aktive Begleitung und Förderung der positiven Entwicklung, besonders mit Blick auf den Ausbau der Oberstufe und die damit verbundenen räumlichen Notwendigkeiten sowie den bevorstehenden Neubau eines Kindergartengebäudes durch die Kommune würde sich der Verein freuen.

Deshalb wird die Schulgemeinschaft mit einem offenen Fest in fröhlicher Atmosphäre ihren Geburtstag zusammen mit Freunden, Nachbarn und Interessierten feiern. Heute ab 16.30 Uhr sind alle Interessierten willkommen. Die Musik steht dabei ganz im Mittelpunkt: Standesgemäß wird das Orchester der Schule das Fest eröffnen. Ein Grußwort von Fabian Stoermer, dem Geschäftsführer der Partnerschule in Schwäbisch Hall, und ein kleines Podiumsgespräch zum Festmotto bilden den inhaltlichen Teil. Mit seinen Liedern wird danach der russische Schulchor die Seelen zum Klingen bringen.

Ein besonderes musikalisches Geschenk will die Gruppe Amem-na mit Musik aus dem Morgen- und Abendland der Festgesellschaft schenken. Auch Essen und Trinken dürfen nicht zu kurz kommen. Unter dem Motto „Teilen“ können an der Picknick-Tafel auf der Schulwiese, zu der alle etwas beitragen, kleine Köstlichkeiten genossen werden. Den Abschluss des Festes bildet das traditionelle Johannifeuer, das auf dem Gelände hinter der Schule entzündet wird.

 

Zusatzinfo

Das Programm im Überblick

16.30 Uhr: Musikalische Begrüßung durchs Schulorchester; Grußwort Fabian Stoermer; Podiumsgespräch mit Schülern, Eltern, Mitarbeitern zum Thema „Suchen und finden – zehn Jahre Freie Waldorfschule“; Danksagungen und Wünsche
18.15 Uhr: Konzert des russischen Schulchores
19 Uhr: Picknick-Tafel auf der Schulwiese – jeder trägt etwas dazu bei
20 Uhr: Amem-na, Weltmusik aus Morgen- und Abendland
21 Uhr: Johannifeuer mit Gesang und Tanz.

 

Feier mit viel Musik

Öffentliches Fest in fröhlicher Atmosphäre zum zehnten Geburtstag

(Sonderveröffentlichung im Hohenloher Tagblatt am Samstag, den 18. Juni 2016)

Seit einem Jahrzehnt gibt es die Freie Waldorfschule in Crailsheim. Das feiert die Schulgemeinschaft mit einem bunten Programm

Scan der Sonderveröffentlichung vom 18. Juni 2016

Crailsheim. Ganz bewusst soll der zehnte Geburtstag der Freien Waldorfschule mit einem öffentlichen Fest gefeiert werden. Die Schulgemeinschaft lädt daher am Freitag, 24. Juni ab 16.30 Uhr alle Freunde, Nachbarn und Interessierten zu einer netten Feier in fröhlicher Atmosphäre ein.

Die Musik steht im Mittelpunkt des Festes. Doch nach der musikalischen Begrüßung durch das Schulorchester soll natürlich auch einen Moment auf die vergangenen zehn Jahre zurückgeblickt werden - und auch die Zukunft aufleuchten. „Jede Erziehung ist Selbsterziehung und wir sind eigentlich als Lehrer und Erzieher nur die Umgebung des sich selbst erziehenden Kindes“. Diese Aussage Rudolf Steiners, dem Begründer der Waldorfschulbewegung, ist dem Motto des Festtages „Suchen und Finden - mich - dich - uns“ vorangestellt.

Fabian Stoermer, Geschäftsführer und Oberstufenlehrer der Freien Waldorfschule Schwäbisch Hall, der Partnerschule von Crailsheim, wird unter diesem Motiv ein Grußwort sprechen. Eine kleine Podiumsrunde aus Mitarbeitern, Eltern und Schülern wird unter diesem Blickwinkel zurück und nach vorne blicken.

Auch das Essen und Trinken darf natürlich nicht zu kurz kommen. Unter dem Motto „Teilen“ können an der Picknick-Tafel auf der Schulwiese, zu der alle etwas beitragen, kleine Köstlichkeiten genossen werden.

Mit seinen Liedern soll danach der russische Schulchor die Seelen zum Klingen bringen. Ein schön in die heutige Zeit passendes Geschenk wird der Festgemeinde die Gruppe „Amem-na“ ab 20 Uhr mit Musik aus dem Morgen- und Abendland machen. „Amem-na“ heißt „Liebe es!“. Mit dieser Intention kommen die drei Musiker Refika Scheufele, Erich Lenz und Emanuel Anthropelos zusammen, die im Bereich Weltmusik die Verschmelzung verschiedener traditioneller morgenländischer Stile mit dem Puls der westlichen Musikformen erforschen. Aus orientalischen Traditionen schöpfen sie neue, eigene Kompositionen, die mit dem eigenen kulturellen Hintergrund in „Klang“ gebracht werden.

Quellen sind dabei: die nordindische Klassik, türkische, persische, nordafrikanische, afghanische Musik und auch Elemente aus türkischer Folklore, Jazz, Blues und Pop. Spielerische Musikstücke wechseln sich mit balladenartigen Stücken ab. Das Instrumentarium beinhaltet Flöte Ney, Tabla, Rubap, Sarod, Rebap, Tambura, Schellen, Zimbeln, Gitarre, Rahmentrommel, Darbuka, Gangera, Harmonium und die Stimme.

Den Abschluss bildet um 21 Uhr das traditionelle Johannifeuer, das auf dem Gelände hinter der Schule zwischen Schulgarten und Kinderkrippe stattfindet.

Streicherprojekt: Zehn Jahre Waldorfschule Crailsheim

Seit zehn Jahren gibt es die Waldorfschule in Crailsheim. Genauso lange gibt es das Streicherprojekt an der Schule, das sich mittlerweile zum Alleinstellungsmerkmal der Schule entwickelt hat.
(Autor: JULIA VOGELMANN | erschienen im HT online am 10.06.2016)

Foto aus dem HT von Julia Vogelmann

 

Foto: Julia Vogelmann
Die Zweitklässler der Waldorfschule machen beim Streicherprojekt mit: Hier lernen sie mehr als Geige spielen. (Anmerkung der Waldorfschule: auf dem Foto sind freilich keine Zweitklässler zu sehen)

 

Für Wolfgang Herrmann-Kautter, den ehemaligen Geschäftsführer der Waldorfschule in Crailsheim, war schon von Anfang an klar, dass er ein Geigenprojekt betreuen möchte – mit dem fernen Ziel, eines Tages ein Streichorchester an der Schule zu etablieren. Mittlerweile, nach zehn Jahren, gibt es beides: ein Schulorchester und ein gut durchdachtes Geigenprojekt für alle zweiten Klassen.
Ansatz des Projektes ist entwicklungsbezogene Pädagogik, die nicht vorrangig dem Kompetenzerwerb dient, sondern Entwicklungsimpulse auslösen soll. „Unser Ziel ist nicht, Geige zu lernen, sondern das Streicherprojekt ist eine Herausforderung an das soziale und sensorische Lernen“, betont Herrmann-Kautter.
Vor diese Herausforderung werden an der Waldorfschule alle Zweitklässler gestellt. „Einmal in der Woche hat jeder Zweitklässler bei uns eine kleine Geige in der Hand“, bestätigt Herrmann-Kautter, der das Projekt im Tandem mit dem jeweiligen Klassenlehrer durchführt. Er bedient sich damit dem Zeitfenster, das sich in diesem Alter öffnet, in dem Kinder besonders empfänglich dafür sind, das für sie geeignete Instrument zu finden. „Es ist ein Versuch, musikalische Anregung zu geben und die Affinität und Liebe zur Musik zu erwecken“, so der Projektleiter. Assistenz bekommt Herrmann-Kautter auch von Schülern der Berufsfachschule für Musik in Dinkelsbühl, mit der es eine Kooperation gibt und deren Schüler hier die vorgeschriebenen Methodikpraktika leisten können.

Vorzeigeprojekt für die Waldorfschule in Crailsheim

Das Konzept ging von Anfang an auf. Im November 2009 unternahm Herrmann-Kautter mit einer kleinen Truppe von elf Kindern aus dem Geigenprojekt erste Schritte in Richtung eines Schulorchesters.
Orientiert hat sich Herrmann-Kautter dabei immer an den Ältesten im Orchester, damit diese die Möglichkeit haben, etwas zu erleben. Mit erleben meint der Orchesterleiter die gemeinsamen Probezeiten, Orchesterfreizeiten oder eben auch Reisen, wie erst kürzlich nach Frankreich in die Partnerstadt Pamiers. Über die Stadt Crailsheim entstand der Kontakt zu Dominique Lafont vom dortigen Partner- schaftsverein und zur Waldorfschule bei Pamiers, wo das Orchester eines von zwei Konzerten spielte.
Mittlerweile hat das Schulorchester der Waldorfschule 17 Mitglieder, die teilweise auch von außerhalb der Schule kommen. Herrmann-Kautter wünscht sich, dass auch weiterhin Schüler den Weg in sein Orchester finden. Der Geschäftsführer der Schule, Markus Stettner-Ruff, zeigt sich stolz auf das Vorzeigeprojekt: „Die Streicherklasse ist ein Beispiel dafür, wie sich die Waldorfschule hier in den letzten Jahren entwickelt hat. Das Geigenprojekt ist mittlerweile Alleinstellungsmerkmal unserer Schule.“

Markus Stettner-Ruff neuer Geschäftsführer der Waldorfschule Crailsheim

Seit Freitag hat die Waldorfschule Crailsheim einen neuen Geschäftsführer. Markus Stettner-Ruff trat zusammen mit einem vierköpfigen Team die Nachfolge von Wolfgang Hermann-Kautter an.
(Autor: JULIA VOGELMANN | erschienen im HT am 22.02.2016)


Übergabe der Geschäftsführerstelle an der Waldorfschule Crailsheim: Markus Stettner-Ruff (links) trat zusammen mit einem vierköpfigen Team die Nachfolge von Gründungsmitglied Wolfgang Hermann-Kautter an.
Foto: (C) Julia Vogelmann

Bereits im Juli des vergangenen Jahres hat Wolfgang Hermann-Kautter sein Amt als Geschäftsführer der Waldorfschule niedergelegt. Jetzt kommt mit Markus Stettner-Ruff jemand in das Amt, der die Arbeit Hermann-Kautters, den immer weiter fortschreitenden Ausbau der drei Säulen der Waldorfpädagogik in Crailsheim, in den letzten Jahren bereits begleitet hat. Vor allem am Aufbau eines Oberstufenkonzeptes war der neue Geschäftsführer beteiligt.

Hermann-Kautter, der auf eine Laufbahn vom beteiligten Vater über den Vorstand bis schließlich zum Geschäftsführer zurückblicken kann, fasste zusammen: "Die Gründung der Schule war trotz allem Schwierigen, Kantigen, Zermürbenden und Anstrengenden das Beste, was mir in meiner Biografie passieren konnte."

Viele lobende Worte für die Arbeit Hermann-Kautters fanden nicht nur der Vorstand der Waldorfschule, sondern auch Gäste wie Konrad Schmidt, Gründungsberater von der Silberwaldschule in Stuttgart, der zusammen mit Mitarbeitern aus Kindergarten und Krippe die Schaffensjahre von Hermann-Kautter und damit die Entstehungsgeschichte der Waldorfpädagogik in Crailsheim Revue passieren ließ.

Jetzt, wo die Krippe und der Kindergarten auf festen Füßen stehen und die Schule mit neuem Oberstufenkonzept auf einem guten Weg ist, sich zu etablieren, ist die Zeit für einen Wechsel gekommen. Als Lehrer und Leiter des Orchesters wird Wolfgang Hermann-Kautter der Schule aber erhalten bleiben. "Die Zeit des Improvisierens ist vorbei, jetzt folgt die Solidierungsphase", fasste Wilhelm Volz zusammen, der zusammen mit Susanne Hammer moderierte. Wo Hermann-Kautter für Wachen, Hüten, Kümmern gestanden hätte, käme mit Stettner-Ruff jetzt einer fürs Messen, Steuern und Regeln, so Volz weiter.

Markus Stettner-Ruff wird die Waldorfschule nicht alleine führen. Er stellte gleich sein Team vor. "Alles ist zu kompliziert, detailliert und abstrakt. Wir brauchen einen Kreis von Menschen für diese Aufgabe", erklärte er und nannte Sabine Mayer, Sigrun Hermann, Holger Schilling und Irmgard Hübschmann als Leitungskreis.

Über sich selbst sagte der neue Geschäftsführer, der einst auch das "Bilderhaus" in Gschwend mit aufgebaut und geleitet hat: "Ich bin ein Mensch, der gerne Impulse setzt und Dinge anders macht als der Mainstream." Mit diesem Motto hat er sich einen Ruf als Geschäftsführer der Waldorfschule in Hall erarbeitet, deren Geschicke er 13 Jahre lang führte, bevor er als Dozent an das Rudolf-Steiner-Institut Kassel wechselte.

 

Informations- und Aktionstag des Netzwerkes Waldorfpädagogik in Crailsheim

Damit die Öffentlichkeit erleben kann, wie Waldorfpädagogik im Schulalltag aussieht, hat das Netzwerk für Waldorfpädagogik zum siebten Mal seinen Aktionstag in der Freien Waldorfschule veranstaltet.

(Pressemitteilung, erschienen am 8. Februar 2016 im HT Online)


Waldorfschul-Geschäftsführer Markus Stettner-Ruff empfing beim Aktionstag die Gäste. Foto: Irmgard Hübschmann

Der Aktionstag, der abwechselnd an den Freien Waldorfschulen in Crailsheim und Schwäbisch Hall läuft, bietet der Öffentlichkeit die Möglichkeit, Waldorfschule hautnah in der Praxis zu erleben und sich intensiv mit Fragen vor Ort mit Eltern und Pädagogen auseinanderzusetzen.

Die verschiedenen Angebote des Kollegiums am Vor- und Nachmittag beeindruckten die Besucher und ermöglichten unmittelbare Einblicke in die Waldorfpädagogik, ihre Grundlagen und Intentionen. Einführung in Schreiben, rhythmisches Unterrichten, Musik, projektive Geometrie in der Oberstufe, das waren die vier Unterrichtseinblicke am Vormittag. Kleine Workshops zum Mitmachen gab es am Nachmittag zum Deutsch- und Kunstunterricht der Oberstufe, zum handwerklich-künstlerischen Unterricht und schließlich zur Eurythmie, einem Bewegungsfach, das es nur in der Waldorfschule gibt.

Bei einem Podiumsgespräch mit Elternvertretern und Lehrern sowie in Gesprächsrunden mit Crailsheimer Schuleltern am Ende des Aktionstags, wurden auch kritische Fragen gestellt und offen diskutiert.

Die Beziehungsqualität ist beim Kind wie bei den Eltern entscheidender Faktor für eine gute, vertrauensvolle Zusammenarbeit. Durch die große Zahl von Pädagogen, die an ihrem freien Tag die Klassenzimmertüren weit öffneten und wie engagierte Waldorfeltern für Begegnungen mit den Besuchern zur Verfügung standen, wurde der Anspruch praktisch erlebbar.

Eine Mutter formulierte ihre Eindrücke so: "Bei der Schulführung schlüpften wir in die Rolle der Schüler und durften erleben, wie inspirierend Lernen in dieser besonderen Unterrichtsstruktur und Lernumgebung ist. Gegenüber dem im öffentlichen Bildungssystem vorherrschenden Prinzip der Leistungsorientierung durch Noten und Selektion und der damit verbundenen Auslese der Kinder, empfinde ich die zwölf Jahre dauernde Lern- und Lebensgemeinschaft der Waldorfschule als wohltuend. In dieser menschenfreundlichen Atmosphäre können kognitive, künstlerische, praktische und soziale Fähigkeiten ausgebildet werden."

Parallel zum Aktionstag waren Gemeinderatsvertreter aller im Stadtrat vertretenen Fraktionen zu Gast. Die Vertreter der Schule führten sie durch die ehemals militärisch genutzten Räume und berichteten über die zehnjährige Schulentwicklung. Der gesamte Umbau der alten Gebäude zu Kindergarten und Schule wurde Zug um Zug fast ausschließlich ehrenamtlich von Eltern und Pädagogen geleistet. Heute ist unumstritten, dass der Stadtteil ohne die Waldorfschule mit ihrer Kinderkrippe und ihrem Kindergarten kaum noch denkbar wäre.

Waldorfschüler präsentieren ihre Praktika

Die Waldorfschule verfolgt in ihren oberen Klassen ein besonderes Konzept. Ein zentraler Aspekt dabei sind ausführliche und gut abgestimmte Praktikumsphasen. Diese sollen den Jugendlichen ermöglichen, Erfahrungen in der Berufs- und Arbeitswelt zu sammeln.
(Pressemitteilung, erschienen im HT online | 19.01.2016)

Die Waldorfschule verfolgt in ihren oberen Klassen ein besonderes Konzept. Ein zentraler Aspekt dabei sind ausführliche und gut abgestimmte Praktikumsphasen. Diese sollen den Jugendlichen ermöglichen, Erfahrungen in der Berufs- und Arbeitswelt zu sammeln. Mit intensiver Vor- und Nachbereitung werden diese dann sorgsam aufbereitet und reflektiert.

Dazu gehört eine Präsentation des Erlebten am Ende jeder Praxisphase. Eine solche fand jüngst wieder einmal in der Schule in der Burgbergstraße statt. Es ging um ein unmittelbar zuvor absolviertes dreiwöchiges Industriepraktikum. Der Eurythmieraum der Schule war voll, und die Schüler sahen sich einer richtigen Kulisse gegenüber. Schön war das Interesse der Freien Schule am Tempelhof, die mit einer Vielzahl von Schülern und Lernbegleitern zugegen war.

Zu Gast waren mit Jürgen Kutscher von Vogelmann Chemie und Gärtnermeister Wilhelm Volz zwei Vertreter der Betriebe, in denen die Praktika gemacht wurden.

Hauptteil der Veranstaltung waren natürlich die Präsentationen. Für die Verantwortlichen war dabei zu erkennen, wie sich die einzelnen Schüler im Vergleich zu früheren Präsentationen gesteigert haben. Selbstbewusst und wie selbstverständlich traten sie auf. Die Tätigkeiten im Praktikum wurden frei und lebendig beschrieben. Zum Abschluss des Abends stand eine Gesprächsrunde mit Schülern, Lehrern, Betriebsvertretern und Praktikumsbetreuern auf dem Programm, in der den Waldorfschülern Lob für ihr Auftreten in den Betrieben ausgesprochen wurde. Auch für die Schule gab es ein Lob.

"Dank gebührt den Betrieben, die es ermöglicht haben, ein solches dreiwöchiges Praktikum zu ermöglichen", schreibt die Waldorfschule in einer Pressemitteilung. Dies scheint in der Crailsheimer Schullandschaft "noch eher unüblich" zu sein, heißt es weiter.

 

Streichorchester "La Banda Viwaldi" begeistert Publikum in der Tiefenbacher Veitkirche

Was geschieht, wenn drei Mitglieder des Hohenloher Streichquartetts sich Streichinstrumente spielenden Schülern der Crailsheimer Waldorfschule annehmen, war beim Konzert am Freitag in der Veitkirche zu hören.
Autor: RALF SNURAWA | HT | 15.12.2015
Foto: Ralf Snurawa
Gregor Thimm und Julia Bratz (rechts) gemeinsam als Solisten beim letzten Satz von Vivaldis a-Moll-Violinkonzert op. 3 Nr. 6.

Intensive Probenarbeit mit Magdalene Kautter, Wolfgang Hermann-Kautter und Jörg Baier war dem Konzert mit vor allem barocken Werken vorausgegangen. Die Violinspielerin, der Bratschist und der Cellist hatten das sich "La Banda Viwaldi" nennende Streichorchester der Waldorfschule gut vorbereitet: von den elf- bis zu den 17-jährigen Schülern.

Das war in allen, zumeist von Wolfgang Hermann-Kautter dirigierten Stücken zu hören. So bestimmte wunderbares Pulsieren etwa den schnellen ersten, energiegeladen klingenden Satz von Gaetano Maria Schiassis Weihnachtssinfonie. Gut gelang den Schülern auch schon der gemeinsame Bogenstrich. Die imitatorischen Einsätze waren klar nachzuvollziehen. Teilweise zum Mitsingen fürs Publikum war danach der Schlusschoral aus dem zweiten Teil des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach gedacht. Den wussten die Schüler wunderbar gesanglich zu spielen. Dabei wirkten auch etliche unter elf Jahren mit, wie auch später zum Bach-Choral "Jesu bleibet meine Freude". Die jüngsten "La Banda Viwaldi"-Mitglieder spielten dabei den Choral, während die Älteren sich der Umspielungen annahmen.

Zwischen diesen beiden Chorälen hatte Maria Falk ihren großen Auftritt als Violinsolistin zu Antonio Vivaldis f-Moll-Violinkonzert mit dem Beinamen "Der Winter", also einem der Konzerte aus dem Zyklus "Die vier Jahreszeiten". Ohne Dirigent wurde in kleiner Besetzung mit vier Violinen, einer Bratsche und einem Violoncello musiziert.

Die Wiedergabe geriet eingangs packend. Das Melodieren der Solovioline klang zu den gezupften Begleittönen schön geatmet. Das Wehen der Winterwinde und das Ausrutschen auf dem Eis war im Finale lautmalerisch von allen wunderbar nachempfunden worden. Maria Falk meisterte den virtuosen Solopart hervorragend. Auf etliche Violinspieler verteilt war dann der Solopart des a-Moll-Violinkonzertes op. 3 Nr. 6 von Vivaldi. Iris Minderlein, Momo Sielaff, Joshua Tsakmakidis, Marit und Justin Dechow, Nazlican Evci und Julia Bratz lösten sich im entschieden im Ton gespielten Eingangssatz gekonnt ab. Raphael Schübel verlieh den Largo-Tönen Empfindung. Gregor Thimm und Julia Bratz wussten die barocken motorischen Figuren des Schlusssatzes packend wiederzugeben.

Geschärfte, aber tänzerische Töne folgten mit Ángel Villoldos "El Choclo"-Tango. Perfekt und mitreißend das Beschleunigen des Tempos zu "Nyguno shel Yossi". "Smoke on the Water" riss das Publikum ebenso mit wie die Leidenschaft zu Dmitri Schostakowitschs Walzer aus der zweiten Jazz-Suite. Nach langem Beifall für das Ensemblespiel wurde das Publikum noch mit "Got to get you into my life" von den Beatles belohnt.

Junge Waldorfschüler berichten fürs HT von der Kinder- und Jugendkulturwoche

An der siebten Kinder- und Jugendkulturwoche beteiligt sich auch das HOHENLOHER TAGBLATT erneut. Ein Nachwuchsreporter-Sextett begleitet einige Angebote und berichtet am Freitag darüber.

Autor: JOACHIM MAYERSHOFER | HT | 03.06.2014

Waldorfschüler in der HT-Redaktion. Foto: Joachim Mayershofer

Füllen die Sonderseite mit Leben: Joshua, Vaana, Sternia, Maria, Alina und Ronja (von links) am News-Desk, dem Herzen der Redaktion. Foto: Joachim Mayershofer

 

Füllen die Sonderseite mit Leben: Joshua, Vaana, Sternia, Maria, Alina und Ronja (von links) am News-Desk, dem Herzen der Redaktion. Foto: Joachim Mayershofer

 

Die Waldorfschule in Crailsheim kann sich wohl bald auf eine neue Schülerzeitung freuen: Sechs Schüler der Bildungseinrichtung haben sich für das Projekt "Mach deine eigene Zeitung" während der Kinder- und Jugendkulturwoche entschieden und wagen damit die ersten journalistischen Schritte.

Das HOHENLOHER TAGBLATT besucht mit den jungen Nachwuchsreportern diverse Angebote, über die sie dann am Freitag auf einer Sonderseite berichten. Das HT-Team zur "Kijukuwo" bilden Maria Falk (14) aus Haselhof, Alina Häußlein (15) aus Goldbach, Vaana Memeyagi (13) aus Dünsbach, Ronja Sielaff (14) aus Heroldhausen, Sternia Thimm (12) aus Mistlau und Joshua Tsakmakidis (13) aus Dinkelsbühl. Alle besuchen die Waldorfschule in Crailsheim, gehen dort in die sechste, siebte und achte Klasse und haben eventuell vor, in nicht allzu ferner Zukunft eine eigene Schülerzeitung aufzulegen. Zur Teilnahme am "Kijukuwo"-Projekt wurden die sechs Schüler von ihrer Lehrerin Martina Welsch ermutigt.

"Wir sind alle sehr motiviert, dass wir am Freitag eine schöne Seite für die HT-Leser machen", sagt Ronja. Alina, Sternia und Vaana freuen sich sehr darauf, viele Fotos schießen zu können und Leute interviewen zu dürfen. Maria ergänzt: "Ich schreibe zu Hause selber viel und gerne." Und Joshua betont: "Ich will später vielleicht Journalismus studieren."

Die siebte Auflage der Kinder- und Jugendkulturwoche in Crailsheim steht unter dem Motto "Farbenspiel". Passend dazu wartet ein buntes Programm auf die Teilnehmer, die dafür eigens Schulbefreiungen erhalten. Maria, Alina, Vaana, Ronja, Sternia und Joshua sind zum Beispiel von morgens bis nachmittags vier Tage für das HT aktiv - genauer: von Montag bis Donnerstag. Das Waldorf-Sextett berichtet dann unter anderem über den Auftritt des Bläser-Quintetts "Quintolé", hält "Verrückte Bilder - Optische Wunder" im Bild fest oder zeigt, wie bei der "Farben-Weltmeisterschaft" des Jugendbüros Integration durch Sport gelingt.

Auf dem Weg in die Zukunft

Die Pionierklasse der Waldorfschule kommt im kommenden Schuljahr in die Oberstufe. Wie die ausgestaltet werden soll, wird derzeit geplant - auch auf einer öffentlichen Anhörung im HT-Forum.

Autor: UTE SCHÄFER | HT | 24.03.2014

Foto von der Veranstaltung im HT-Forum

Die Referenten und Mitglieder der Schulgemeinschaft der Crailsheimer Waldorfschule bei der öffentlichen Anhörung im HT-Forum. Foto: Ute Schäfer

Die Schulanmeldungen nähern sich, kein Wunder, dass sich vor allem die privaten Schulen derzeit der Öffentlichkeit präsentieren. So auch die Crailsheimer Waldorfschule, die seit acht Jahren existiert und pro Jahr um eine Jahrgangsstufe wächst. Die Pionierklasse der Waldorfschule kommt nun in die Neunte, ist also in der Oberstufe angekommen.

Um die Ausgestaltung dieser Oberstufe geht es in der Crailsheimer Schule derzeit, und eines ist schon klar: Es gibt einen neuen Lehrer, Christian Pauli, und ein völlig neues Konzept.

Bei der öffentlichen Anhörung - im HT-Forum waren das dreieinhalb Stunden Frontalunterricht - hat sich die Schule Themen vorgenommen, die in Arbeitskreisen als wichtig erachtet wurden. Dazu wurden Experten gehört, moderiert von Markus Stettner-Ruff, Berater der Crailsheimer Waldorfschule.

Eine der Experten war zum Beispiel Gwendolin Altenhöfer, Bestatterin und Visionssuchebegleiterin aus Schwäbisch Hall. Sie stellte den Zuhörern vor, wie mit den Schülern der Übergang in die Oberstufe - und damit sozusagen der Übergang vom Kind zum Jugendlichen - rituell gestaltet werden kann. Die Kinder könnten, wenn sie dies wünschten, allein eine Nacht im Freien verbringen, während die Eltern am Lagerfeuer warteten, sagte Altenhöfer. Nächstes Thema: die Ausgestaltung der Prüfungsklasse - das offizielle Curriculum der Waldorfschule geht nur bis Klasse 12. Die 13. Klasse ist als Prüfungsvorbereitung zum Abitur gedacht. Denn wie kommt man zum Abschluss? Dies ist eine Frage, die Wilhelm Volz als Vater umtrieb. Martin Simons stellte hier das Lernkonzept der Schule Anne-Sophie in Künzelsau - selbstbestimmt und in Lernhäusern - vor. Ähnlich gehen auch die Schüler von Dieter Markert im Freiburger "Methodos" vor. Dies ist ein Verein, der von Schülern zur Abiturvorbereitung gegründet wurde. Die Schüler organisieren hier alles: sie stellen die Lehrer ein (und feuern sie wieder), trommeln Geld zusammen und sind für alles verantwortlich. Fast alle schaffen das Abitur in zwei Jahren, sagte Markert. Eigenständiges Lernen soll es auch in der Crailsheimer Waldorfschule geben, wenngleich die Prüfungsvorbereitung flexibel gehandhabt werden müsse, sagte Matthias Ziegler, ein weiterer Vater, wobei sich die Schule einig ist, den Klassenverband bis zum Schluss nicht auflösen zu wollen.

Eine weitere Crailsheimer Idee zur neuen Oberstufe erklärte der Crailsheimer Waldorfgeschäftsführer Wolfgang Hermann-Kautter: Lehrer, Schüler und Eltern sollen ein Unternehmen gründen, "mit Budget". Sie leiten dadurch ihre Oberstufe sozusagen selber. Eine starke Ausrichtung auf den Beruf zeigt auch die Waldorfschule in Kirchheim/Teck. Hier berichtete Schulleiter Knut Dikomey, dessen Schule in den letzten Klassen Betriebspraktika anbietet, und zwar so viele, dass die Schüler erst in der 13. Klasse die Fachhochschulreife erreichen. "Wer das Abitur machen will, geht bei uns in die nahe gelegene Waldorfschule nach Nürtingen."

So könnte das auch in Crailsheim laufen, denn hier sagt der neue Lehrer Pauli: "Der Weg in die Zukunft muss nicht in jedem Fall ein Abitur sein - aber er kann."

 

Erstes eigenes Waldorf-Gebäude in Crailsheim

Mit einer Feier, Sekt, Kuchen und einem kleinen Vortrag zur Waldorfpädagogik ist am Samstag die Waldorfkinderkrippe "Wurzelstube" in Crailsheim offiziell ihrer Bestimmung übergeben worden.
Autor: JULIA VOGELMANN | HT | 17.03.2014

Peter Lang hält seinen Vortrag

Peter Lang (links) hielt während der Übergabe der Kinderkrippe einen aufschlussreichen Vortrag zur Waldorfpädagogik. Foto: Julia Vogelmann/HT

Gedränge, wo normalerweise Ruhe und Beschaulichkeit herrschen: im Gruppenraum der Kinderkrippe Wurzelstube. Keiner wollte verpassen, wie das erste eigene Gebäude des Waldorfvereins in Crailsheim offiziell eingeweiht wird. Und gekommen waren viele: Eltern und Kinder, Lehrer, Erzieher, Handwerker, Architekt, Vertreter der Stadt und der benachbarten Waldorfeinrichtungen aus Dinkelsbühl.

"Das ist unser allererstes eigenes Gebäude - das ist ein Schritt, der anthroposophisch ausgelegt bedeutet, dass wir Wurzeln geschlagen haben", freute sich Wolfgang Hermann-Kautter, geschäftsführender Schulleiter. Doch das Gebäude zeigt nicht nur, dass die Waldorfpädagogik in der Erziehungslandschaft in Crailsheim einen festen Platz beansprucht, sondern dass aus der Idee, Waldorf nach Crailsheim zu bringen, ein verlässliches Konzept gewachsen ist. "Wir haben erstmals fremdes Geld in die Hand genommen, was bedeutet, dass wir uns mittlerweile sicher fühlen, solch einen Schritt zu gehen", so Hermann-Kautter weiter. Gegenüber den Voranschlägen konnte sogar ein Plus von 40.000 Euro erzielt werden.

Da will Dinkelsbühl auch hin

Darüber freute sich auch Oberbürgermeister Michl, der lobte: "Das alles einzuhalten, ist bei so vielen schiefen Ecken und Winkeln gar nicht so leicht. Auch die Waldorf-Kinderkrippe trägt nun dazu bei, dass in Crailsheim genügend Krippenplätze zur Verfügung stehen." Sein Kollege Dr. Christoph Hammer aus Dinkelsbühl zeigte sich ebenfalls beeindruckt: "Es ist toll, hier zu stehen, in einem neuen Gebäude, wo neues Leben einzieht. Ich bin neidisch, da wollen wir in Dinkelsbühl auch hin!"

Wo die Krippe inhaltlich hin möchte, zeigte Peter Lang, Vorsitzender der Vereinigung der Waldorf-Kindertageseinrichtungen im Land und ehemaliger Leiter des Seminars für Waldorfpädagogik in Stuttgart in einem launigen Vortrag zur Waldorfpädagogik und ihrem Platz in der heutigen Bildungslandschaft.

Architekt Hans-Christoph Lamparter ließ es sich nicht nehmen, den Erzieherinnen Brigitte Drexel, Nadine Roos und Maike Schmidt den symbolischen Schlüssel für die Wurzelstube zu überreichen. Auf den Punkt brachte es Susanne Hammer vom Vorstand des Vereins, die sichtlich gerührt ausrief: "Wir haben endlich ein Dach über dem Kopf."


Regen vermiest Stimmung nicht

Monatsfeier, Tag der offenen Tür und ein Frühlingsmarkt standen am Samstag bei der Freien Waldorfschule auf dem Programm. Erst in der Festhalle Tiefenbach, danach in den eigenen Räumen in Crailsheim.

Autor: JULIA VOGELMANN | 06.05.2013       

Jede Menge fröhliche Kreativität war am Samstag beim Frühlingsmarkt in den Räumen der Waldorfschule angesagt. Foto: Julia Vogelmann
Jede Menge fröhliche Kreativität war am Samstag beim Frühlingsmarkt in den Räumen der Waldorfschule angesagt. Foto: Julia Vogelmann.

Die Schüler hatten sich viel Mühe gegeben, ihre Schule trotz Regenwetters für die Besucher einladend zu gestalten. Leider konnten die geschmückten Tische auf dem Hof nur kurz besetzt werden, dann setzte der große Regen ein.

Löwenzahn-Mandalas, Buchs, Stiefmütterchen und Holzplättchen schmückten den Eingang in allen Stockwerken. Wer den Schildern gen Basar folgte, der fand ein Klassenzimmer bevölkert von kleinen Filzpüppchen, Täschchen und Holzbauklötzchen, die käuflich erworben werden konnten. Außerdem standen gehäkelte Schafe zum Verkauf. Jedes davon finanziert symbolisch einen Baustein der neu entstehenden Kinderkrippe. Ein Second-Handbasar, ein Bücherbasar und die bunt bedruckten Röckchen, Taschen und Seidentücher von Erzieherin Nadine Roos luden zum Schauen und Kaufen ein.

Auch für die Bewirtung war gesorgt. Heiße Gemüsesuppe wärmte bei dem schlechten Wetter nicht nur Körper, sondern auch Gemüt. Trotz strömenden Regens stellten die Waldörfler gemeinsam einen bunt geschmückten Maibaum auf. In den Räumen des Kindergartens war es da schon gemütlicher. Beim Basteln mit Holz, Hammer und Nägeln oder beim Kneten mit buntem Keksteig waren die Besucherkinder schwer beschäftigt. Ein Cocktailstand, Waffeln und ein Frühlingskaffee verschönten den Erwachsenen den Aufenthalt.

Ein Marionettenspiel sorgte für Unterhaltung, und im großen Stoffzelt im Kindergarten fand ein ganz eigener Basar statt. Hier konnte nur mit Silberlingen bezahlt werden, eine eigene Währung, die man gegen "hartes Geld" tauschen konnte. Für Bewegung sorgte dann noch ein Gewinnspiel, das die Teilnehmer an allen Stationen vorbei einmal quer durch die Schule schickte.

Eine Kapsel voll guter Wünsche - Grundstein für neue Waldorfkinderkrippe in Crailsheim gelegt

In der Friedrich-Bergius-Straße wurde der Grundstein für die neue Waldorfkinderkrippe gelegt. Bis Ende des Jahres sollen dort zwei Gruppen einziehen. Viele gute Wünsche begleiten das Bauvorhaben.
Autor: Hohenloher Tagblatt / JULIA VOGELMANN | 24.04.2013 

Susanne Hammer (rechts), Vorsitzende des Waldorfvereins Crailsheim, und die Erzieherin Brigitte Drexel versenken den Grundstein der Krippe. Foto: Julia Vogelmann
Nur einen Steinwurf von Kindergarten und Schule entfernt soll die neue Kinderkrippe entstehen, die ab Ende 2013 zwei Gruppen mit jeweils zehn Kindern Platz zum Entfalten bieten soll.

Bereits seit 2008 trägt sich der Waldorfverein mit dem Gedanken, die Krippe auszubauen, die bisher in kleiner Form in einer Wohnung untergebracht ist.

"Im Moment befinden sich die Schlafplätze neben der Garderobe, wo es am lautesten ist und die Küche ist ein abgeschlossener Raum. Jetzt bekommen wir Raum, in dem es möglich ist, Ruhe zu finden und wo es die Gelegenheit für aktives Miterleben gibt, was ja einer unserer wichtigsten pädagogischen Ansätze ist", erklärt Krippenerzieherin Nadine Roos zusammen mit ihrer Kollegin Brigitte Drexel. Damit der Bau gleich zu Beginn unter einem guten Stern steht, versenkten Schüler, Kindergärtner, Eltern und Erzieher gemeinsam einen sogenannten Pentagondodekaeder, in den sie vorher kleine Zettel mit guten Wünschen, Bilder und kleine Symbole gelegt hatten.

Zwei Schneckenhäuser legte Architekt Lamparter in das Gefäß, die ihm bei der Planung des Gebäudes als Vorbild gedient hatten. "Es sollte etwas entstehen, das rund ist, die Kinder betreut und beschützt, in dem Raum ist und wo das Herausschauen lockt", so der Architekt. Nadine Roos wünschte, dass ein Ort entsteht, an dem die Kinder glücklich sind, wie in einem Zuhause, nicht wie in einer Institution.

Und Oberbürgermeister Rudolf Michl betonte die Wichtigkeit von Orten, an denen Kinder die Möglichkeit haben, in die Gesellschaft hineinzuwachsen und soziale Kompetenz zu erlangen, was er heute als wichtiger denn je erachtet. Die Schüler der zweiten Klasse waren da in ihren Wünschen pragmatischer, neben Glück, Spaß und Gesundheit wünschten sie in ihrem kleinen Brief zwei Jahre Ferien für die Krippenkinder. . .

Unabhängig vom Zeitungsbericht gibt es hier die Fotogalerie zur Grundsteinlegung.

Mit Fahrrädern über die Jagst

Schüler der Waldorfschule Crailsheim waren zu Gast bei Verkehrsminister Winfried Hermann. Sie hatten an einem Wettbewerb teilgenommen.

Autor: PM | 20.12.2012

Die Vertreter der Waldorfschule Crailsheim mit Verkehrsminister Herrmann (Mitte) in Stuttgart.
Die Vertreter der Waldorfschule Crailsheim mit Verkehrsminister Herrmann (Mitte) in Stuttgart.


Für die Aktion "Ich habs - Meine Rad-Idee" des Stuttgarter Verkehrsministeriums ließen sich die damaligen Viertklässler etwas ganz Besonderes einfallen. Am letzten Schultag vor den Sommerferien trafen sich die Schüler mit Lehrern am Quellhof in Mistlau. Sie spannten ein Stahlseil über die Jagst und knoteten verschiedene Räder daran fest. Die Schüler setzten sich mit Helmen auf die Räder und hingen somit frei über dem Fluss. Das Ziel: Ein Foto, das den Eindruck erweckte, als würden die Kinder übers Wasser fahren. Den ganzen Nachmittag wurde gearbeitet, auf- und abgestiegen, ins Wasser gefallen, nachjustiert, und, und, und - bis perfekte Aufnahmen im Kasten waren.

Der fertige Bildbeitrag
Der fertige Bildbeitrag.

 

Die Schüler gestalteten ein Fotoalbum und reichten es beim Ministerium ein. Prompt wurde eine Delegation nach Stuttgart eingeladen.

Verkehrsminister Hermann zeigte sich in einem persönlichen Gespräch mit den Vertretern der Waldorfschule begeistert von deren Idee und vom Einfallsreichtum der Schüler. Wobei er besonders hervorhob, dass es sich bei den Crailsheimern um die jüngsten Teilnehmer von insgesamt mehr als hundert Wettbewerbern handelte.

 

Kinder schmücken Bäume

Die Kindergartenkinder wurden beim Schmücken der Weihnachtsbäume auf dem Schweinemarktplatz fotografiert.

 

Kinder teilen mit Nachbarn - Waldorfschüler spenden Kartoffeln

Die 4. Klasse der Freien Waldorfschule in Crailsheim spendete dem "Arbeitskreis Burgbergstraße" einen Teil der diesjährigen Kartoffelernte aus dem Schulgarten für die Mittagsverpflegung.

Autor: PM | 27.11.2012  

Die Kinder der Waldorfschule dachten an ihre Nachbarn
Die Viertklässler der Waldorfschule dachten an ihre Nachbarn. Privatfoto

Die Kinder hatten mit ihrer Klassenlehrerin Sibylle Schwalb im Schulgarten Kartoffeln angebaut; die Ernte war so reichlich, dass die Kinder am Martinstag überlegt haben, mit wem sie denn teilen könnten, wer ihre Hilfe denn nötig hätte.

Die Kinder haben wahrgenommen, dass in ihrer Burgbergstraße, quasi gleich um die Ecke, bedürftige Menschen wohnen. Deshalb war schnell klar, dass man die Ernte mit genau diesen Menschen in der Nachbarschaft teilen würde - ganz so, wie St. Martin seinen Mantel auch geteilt hatte.

Gemeinsam besuchte die 4. Klasse den "Arbeitskreis Burgbergstraße", der dort zweimal wöchentlich für rund 20 Personen ein warmes Mittagessen austeilt. Die ehrenamtliche Helferinnen Irmgard Brenner und Gertrud Häffner erklärten den Kindern, welche Hilfe die Menschen in der Burgbergstraße nötig haben und welche Hilfe der Arbeitskreis der evangelischen Christusgemeinde geben kann.

Aufmerksam betrachteten die Kinder die Räumlichkeiten und hörten interessiert den Erklärungen von Irmgard Brenner zu. Die Kartoffeln werden vom Arbeitskreis zu einer Gemüsesuppe verarbeitet, denn Kartoffeln sind unter den Spenden Mangelware und bringen jetzt anderen Menschen eine Freude.

Die Kinder jedenfalls hat es gefreut, dass ihre mühsam angebauten Kartoffeln zuerst sie selbst und jetzt auch noch die Nachbarn in der Burgbergstraße erfreuen. Die Mühe mit dem Anbau der Kartoffeln hat sich also dieses Jahr gleich auf mehrfache Weise gelohnt.

Insbesondere die Enge im Esszimmer und die einzige Spielmöglichkeit im kühlen Flur für die knapp zehn Kinder machten die Viertklässler nachdenklich. Mancher Schüler überlegt nun, ob auch Spielzeug gespendet werden könnte.

 

Wachstum geht weiter

Was die Schüler der Crailsheimer Waldorfschule in der letzten Zeit gelernt haben, zeigten sie am vergangenen Samstag auf der Bühne der Roßfelder Sporthalle beim "Tag der Waldorfpädagogik".

Autor: UTE SCHÄFER | 26.11.2012       

Eurythmie, eine spezielle Tanzform, ist ein Teil des Waldorf-Unterrichts.
Eurythmie, eine spezielle Tanzform, ist ein Teil des Waldorf-Unterrichts. Foto:  SWP

"Freut euch auf Chemie", sagt Lehrer Friedemann Mayer zu den vielen jüngeren Schülern der Crailsheimer Waldorfschule - und führte ein eindrucksvolles Experiment vor: Der gleiche lilafarbene "Zaubersaft" färbte sich mal rosa, mal gelb, mal grün.

Auch sonst zeigten die Schüler ihren Eltern und den Freunden bei der Monatsfeier, was sie in den vergangenen Wochen und Monaten gelernt hatten. Schwierige Eurythmie-Übungen, zum Beispiel, russische und englische Lieder, mehrstimmig dargeboten, dazu viel Musik und Bewegung.

Auch das Schulorchester trat auf. Das steht in vielem symbolhaft für die gesamte Schule: Geleitet wird es vom Geschäftsführer der Schule, Wolfgang Hermann-Kautter, einem Musiker und Geigenlehrer. Die Kinder lernen bei ihm das Instrument im Geigenprojekt in der zweiten Klasse kennen. Wer Lust hat, geigt weiter.

Gestartet wurde das Orchester dann vor zwei Jahren mit einer guten Handvoll junger Streicher, jetzt kommen jährlich neue dazu. Immer vielstimmiger wird das Orchester, entsprechend bunter die Stücke. Das gilt für die gesamte Schule auch: Seit 2006 kam jedes Jahr eine neue erste Klasse dazu und mit ihr die entsprechenden Lehrer. Heute zählt die Crailsheimer Waldorfschule rund 110 Schüler und 14 Lehrer.

Auch die Schule ist noch nicht ausgewachsen. Die Schüler der ersten Stunde gehen zwar mittlerweile in die siebte Klasse, doch wenn sie die achte Klasse hinter sich gebracht haben, das ist in eineinhalb Jahren, "dann steht die Schule vor einer neuen großen Herausforderung", sagt Geschäftsführer Hermann-Kautter. "Dann ist für diese Klasse die sogenannte Klassenlehrerzeit vorbei, und die Oberstufe beginnt."

Das geht mit einer Spezialisierung und verschiedenen Angeboten einher. "Da wird es Lerngruppen mit nur wenigen Schülern geben. Da muss man auch die Wirtschaftlichkeit bedenken", sagt Hermann-Kautter: "Wir sind zur Zeit intensiv an der Planung."

Das Ziel ist nämlich eine voll ausgebaute Schule, die das zwölfjährige Waldorf-Curriculum komplett anbietet. "Ob oder wie es dann eine 13. Klasse geben wird, das müssen wir dann sehen."

 

INTERVIEW: "Wir begleiten die Kinder in Würde"

In der Crailsheimer Waldorfschule steht das Kind im Mittelpunkt. Das geht so weit, dass Wolfgang Hermann-Kautter nicht als Rektor fungiert, der über alles bestimmt, sondern "nur" Geschäftsführer ist.

Wolfgang Hermann-Kautter
Autor: UTE SCHÄFER | 26.11.2012

 

 

Wolfgang Hermann-Kautter leitet die Waldorfschule in Crailsheim.
HT: Wie kann man die Waldorfpädagogik in einem Wort beschreiben?

WOLFGANG HERMANN-KAUTTER: Das ist schwierig. Vielleicht ist unser Ziel am besten beschrieben in dem, was ich Eltern sage, die sich überlegen, uns ihr Kind anzuvertrauen. Ich sage: Ich kann Ihnen versprechen, dass wir Ihr Kind in Würde begleiten. Und wenn es die vielleicht anderswo verloren hat, kann ich versprechen, dass es sie bei uns wiederfindet. Anders ausgedrückt, wollen wir aus dem Kind das hervorbringen, was heraus will. Ein Beispiel: Nicht jedes Kind soll Geige lernen. Aber jedes soll die Möglichkeit haben zu erfahren, ob dieses Instrument das Richtige für ihn ist.

Aber auch der Waldorf-Unterricht selbst ist doch anders?

Es gibt viele Besonderheiten. Zum Beispiel den Klassenlehrer über acht Jahre hinweg. Den Epochenunterricht. Und die rhythmische Gliederung der Unterrichtsstunde.

Wie sieht denn eine solche Unterrichtsstunde aus?

Wir beginnen die Stunde mit einem rhythmischen Teil, der Lieder, Sprüche und rhythmische Spiele beinhalten kann. Dann kommt als Hauptteil der eigentliche Epochenstoff, in dem es zum Beispiel um Zahlenreihen oder Buchstaben geht. Als dritter Teil, als Erzählteil, könnte ein passendes Märchen oder eine Fabel stehen. Der Unterricht hat auch immer viel mit Bewegung zu tun. Das bringt einen zur Eurythmie - dieser, wenn man so will, speziellen Waldorf-Tanzart. Die Waldorfschüler werden ja oft auch belächelt als diejenigen, die ihren Namen tanzen können. Eurythmie ist natürlich mehr als nur das. Das wird deutlich, wenn man beobachtet, wie komplex etwa die Raumformen sind, die die Kinder bei der Eurythmie durchschreiten - gemeinsam durchschreiten übrigens, was auch die sozialen Fähigkeiten schult. Die moderne Gehirnforschung belegt ja, dass Bewegung und manuelle Tätigkeiten für die Entwicklung des Gehirns wichtig sind. Und was das BuchstabenTanzen angeht: Die Eurythmie weist den Buchstaben Bewegungen zu. Da ist das O eben geschlossen, das A geöffnet, ein harter Konsonant schroff. Die Kinder erfahren die Buchstaben so mit dem ganzen Körper, ganzheitlich. Wenn wir schon von Waldorf-Pädagogik reden, ist es vielleicht auch dieser ganzheitliche Aspekt, der in allem wichtig ist.

 

Orchester der Waldorfschule erweitert sein Repertoire

Artikel im Hohenloher Tagblatt am 5. November 2012

"Wir gehen wieder mit", war die einhellige Meinung der Teilnehmer einer von der Waldorfschule Crailsheim organisierten Probewoche für die jungen Mitglieder des Orchesters im bayerischen Altenau.


Die jungen Musikerinnen und Musiker der Waldorfschule übten mit großem Eifer.
Am Crailsheimer Bahnhof trafen sich 14 junge Menschen und das Ehepaar Kautter - Wolfgang Hermann Kautter im einen Teil seines Berufslebens Geschäftsführer an der Waldorfschule in Crailsheim, im anderen Geigenlehrer und Bratschist, Magdalene Kautter ebenfalls Geigendozentin an der Berufsfachschule für Musik in Dinkelsbühl und beide der Öffentlichkeit bekannt als Mitglieder des Hohenloher Streichquartetts.

Ziel war das malerische bayerische Örtchen Altenau, den das muntere Trüppchen ansteuerte, handelt es sich doch um das komplett versammelte Orchester an der Crailsheimer Waldorfschule, wobei - was zum Prinzip gehört - auch ein paar Schüler(innen) aus anderen Schulen mit dabei waren. Die Kinder und Jugendlichen sind im Alter von 10 bis 14 Jahren, das Orchester existiert seit November 2009.

In den Tagen dort wurde intensiv geübt. Durch die Anwesenheit zweier erfahrener Orchestererzieher konnte auch aufgeteilt, zum Beispiel die einzelnen Gruppen alleine oder beide Geigenstimmen kombiniert, geprobt werden. Hauptstück stellt das Concerto grosso in d-Moll von Antonio Vivaldi dar, dessen Mittelsätze dem Orchester einiges abverlangen. Daneben erklangen noch zwei Klezmerstücke, eines um die Truppe ins Spielen zu bringen und ein ganz neues, genannt das "Zitrönchen".

Das Kulinarische kam nicht zu kurz, war die Mannschaft doch von den Eltern in rühriger Weise mit Kuchen, Obst, und vielem mehr ausgestattet worden und konnte teilweise durch Eigenarbeit der Kinder sowie vor allem Magdalene Kautter vorzüglich speisen.

Die restliche Zeit war vielen Spielen vorbehalten, in Gruppen und alle gemeinsam, wobei vor allem ein Tierspiel rundum für Begeisterung, und bei prägnanter Ausführung, auch für viel Gelächter sorgte. Um die herrliche Gegend zu erkunden, blieb nicht allzu viel Zeit, wobei das Wetter dazu das seine tat und durch tief hängende Wolken über weite Strecken (eben nicht) glänzte. Erst am letzten Tag zeigten sich die ersten Sonnenstrahlen und man erlebte begeisterte und weniger begeisterte wandernde Crailsheimer Orchesterkinder. Immerhin gelang es der Gruppe, eine ausgerissene Ziege wieder wohlbehalten in ihr Gehege zurückzulocken.

Der Grillabend danach ging spät zu Ende mit vielen Spielen. Der einhellige Tenor aller Mitgereisten war: Wir gehen beim nächsten Mal wieder mit.

 

"15 Jahre sind eine lange Zeit"

Artikel des Hohenloher Tagblattes vom 30.03.2012

Autor: PM

Crailsheim.  Vor 15 Jahren wurde in Crailsheim ein Waldorfkindergarten aus der Taufe gehoben. Zum "Jubiläum" gratulierten kürzlich viele Gäste.

Zu den Gratulanten zählten auch Harald Rilk, als Finanzbürgermeister der Stadt erster Ansprechpartner in Sachen Zuschüsse, sowie Stadtrat Norbert Berg in seiner Funktion als ehrenamtlicher Stellvertreter des Oberbürgermeisters, Paten aus Schwäbisch Hall, Freunde des Waldorfkindergartens und viele "Kinder der ersten Stunde", die teils auch ihre eigenen Kinder mitbrachten, trafen sich in den Räumen des Waldorfkindergartens. Dieser wurde durch ein Vivaldi-Konzert der benachbarten Waldorfschule eingeleitet. "An den Kindern bemerkt man, dass 15 Jahre eine lange Zeit sein können", so die Verantwortlichen.

Reinoud Engelsman von der Haller Waldorfschule berichtete aus ersten Waldorftagen. Das Wesentliche sei, dass hier 15 Jahre intensivste Arbeit um die Würde und das Wesen des Kindes geleistet wird und wurde. Danach begann Hannelore Nawroth, den Blick auf die Anfänge des Kindergartens zu lenken. Schließlich wurden in der oberen Kindergartengruppe verschiedene Bauvorhaben des Waldorfkindergartens vorgestellt: beispielsweise die kurz vor dem Bau befindliche Kinderkrippe und der weitere Ausbau der Schulräumlichkeiten.

Dann startete bei strahlendem Sonnenschein der alljährliche Ostermarkt des Vereins der Waldorfpädagogik Crailsheim. Es gab Schülercafés, eine Waffelstube, eine Milchshakebar, Büchertische und Secondhandverkauf, Torten und Kaffee. Eine unglaubliche Fülle an österlichen Basteleien, Schmuck und Geschenken wurde geboten.

Im Außenbereich fanden sich Spiele für Groß und Klein, und das "Erlebnisfeld" des Quellhofs lud zum Experimentieren und Erforschen mit allen Sinnen ein.

Links geht und rechts sät

Artikel des Hohenloher Tagblattes vom 18.10.2010

Autor: CHRISTINE HOFMANN

Honhardt.  Gestern bestellten Landwirte und Verbraucher einen Acker in Honhardt - und setzten so ein Zeichen für eine gentechnikfreie Landwirtschaft.

Bei jedem Schritt hängten sich dicke Erdklumpen an die Sohlen der Gummistiefel. Doch das hielt die Teilnehmer der Aktion "Zukunft säen", organisiert von den Honhardter Demeterhöfen in Zusammenarbeit mit dem Bündnis Gentechnikfreies Hohenlohe, dem Beratungsdienst Ökolandbau Schwäbisch Hall und Demeter Baden-Württemberg, nicht davon ab, das vorbereitete Getreidefeld zu bestellen.

Die fünfte Klasse der Waldorfschule Crailsheim, die die Patenschaft für das Weizenfeld übernommen hat, half bei der Aussaat tatkräftig mit. Links geht, rechts sät: Es war gar nicht so leicht, die Körner im richtigen Rhythmus zu werfen. Nicht zu hoch und nicht zu tief, so dass eine Mütze voll Weizen bis zum anderen Ende des Ackers ausreichte. Bei einigen Schülern war das Saatgut schon auf halbem Wege ausgesät. Ob die Aussaat trotzdem erfolgreich war, werden sie bei regelmäßigen Besuchen kontrollieren.

"Wir säen, was wir in Zukunft ernten und essen wollen", betonte Landwirt Martin Klopfer, "deshalb sind wir gegen jeden Anbau von genmanipulierten Pflanzen. Weder wir Bauern wollen sie, noch die Verbraucher." Das biodynamische Saatgut, das Klopfer auf seinem Acker aussäen ließ, stammte aus einer Getreidezüchtung, die auf die Entwicklung gesunder und robuster Sorten im Einklang mit der Natur setzt.

"Das Saatgut ist die Quelle allen Wachsens", bekräftigte Rainer Hofmann vom Bündnis Gentechnikfreies Hohenlohe, "darin steckt so viel Wissen und eine jahrhundertealte Kultur, das darf man nicht aus der Hand geben." Mit dem Ausbringen des Saatguts aus der Hand darf dieser Entschluss durchaus wörtlich verstanden werden.

Tiefe Einblicke ermöglicht

Die Waldorfschule in Crailsheim stellt sich Eltern bei einem Aktionstag vor

Theoretische und praktische Einblicke in die Waldorf-Pädagogik waren kürzlich bei einem Aktionstag der Crailsheimer Waldorfschule möglich, der Eltern auch als Entscheidungshilfe dienen sollte. Eingeladen zu dem Aktionstag hatte das Waldorfnetzwerk Hohenlohe und Westmittelfranken. Über 50 Interessierte erfuhren letztlich, wie in einer Waldorfschule auf die Kinder eingegangen wird, wie Geschichte an die Kinder in welchem Alter herangebracht wird, wie in der Oberstufe naturwissenschaftlicher Unterricht gestaltet ist. Hierzu (weil die Crailsheimer Schule noch gar keine Oberstufenschüler unterrichtet) kam mit Dr. Richard Schmidt aus Schwäbisch Hall ein erfahrener Mann.

Besondere Aufmerksamkeit erfuhren die „Crailsheimer Spezialitäten" - das Lama-Projekt (wobei die Kinder ganze Tage auf einem Hof verbringen und die Tiere selbst betreuen dürfen) und das Geigen-Projekt unter der Federführung von Wolfgang Hermann-Kautter.

Als besonders gelungen empfunden wurde die Vorstellung des Buchstaben-Schreibens durch Brigitte Kuwabara, in dem sie zuerst vier japanische Schriftzeichen an die Tafel schrieb. So konnten sich die anwesenden Eltern in die Situation der jungen Schüler hineinversetzen. Am Nachmittag erlebten die Gäste einzelne Unterrichtsstunden. Auch ein Gedankenaustausch zwischen den Interessierten und bereits erfahrenen Waldorfeltern stand auf dem Programm. Informiert wurde auch über Themen wie Elternbeiträge oder Busverbindungen. So verließen letztlich bereicherte Eltern und, ob des Interesses und der hervorragenden Stimmung, glückliche Crailsheimer Waldörfler die Räume in der Burgbergstraße und die Musikschule. Im kommenden Jahr wird es diesen Aktionstag wieder geben.

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